nach 171 tagen und etwa 3500 zurueckgelegten seemeilen (6500 km) auf faeins schwankendem boden werde ich am 06.10.2013 gegen 18.00 uhr wieder im heimathafen hamburg (53°31.898 N, 9°53.471E oder anders: segelclub oevelgoenne scoe, antwerpenstrasse 19, 21129 hamburg) ankommen. und ich freu mich!

ich freu mich ueber jede hand, die beim anlegen hilft, ich freu mich auf ein grosses bett, ich freu mich auf duschen ohne badelatschen und ich freu mich auf eine echte currywurst…

schleswig, deutschland, 01.10.2013

ich bin in schleswig, und wo sitzt man in schleswig? genau, bei bastian hauck auf der bootswerft schleswig. ein duft von frischem kaffee zieht durch die hallen waerend ich diese zeilen schreibe. gleich gibt’s fruehstueck. ich freu mich ; )
der aufmerksame leser erinnert sich; bastian hatte mir einen grossteil der ostseekarten geliehen. jetzt sind sie wieder zurueck…

 

 

dyvig, daenemark, 28.09.2013
„… wir sehen uns in dyvig!“, hatten daniel, lasse und ich uns vor zwei monaten versprochen.
und nun sind wir alle hier. was fuer ein wiedersehen! von polen bis finnland sind wir zusammen gesegelt. und es ist sofort wieder wie auf der reise… jungs, das alles war klasse!

 

 

und nicht vergessen, am 02.11.2013 findet in hamburg wieder der ostseestammtisch statt. fuer alle interessierten, fuer alle, die aehnliches vorhaben…

 

svendborg, daenemark, 26.09.2013

und da ist es nun; das total schiefgegangene anlegemanoever. gestern abend auf der insel omoe.
muede, etwas durchgefroren und hungrig erreiche ich nach einem langen segeltag die oben genannte insel. im lee (windabgewante seite) der insel berge ich die segel. die kleine inselfaehre rauscht an mir vorbei. es ist mittlerweile dunkel als ich den hafen unter motor erreiche. hafeneinfahrt und faehranleger sind eins und die faehre haelt sich mit maschienenkraft in ihrer position, was zur folge hat, dass ein maechtiger querstrom in der einfahrt vorherrscht und sich in dem kleinen hafenbecken fortsetzt. also schoen vorhalten und dicht an der faehre vorbei. ok, geschafft. im hafenhandbuch steht zwar geschrieben, das die heckpfaehle dicht an den stegen stehen, aber das es nur fuenf meter sind, damit habe ich nicht gerechnet. die faein ist klein, aber diese boxen, sind die fuer ruderboote? ich breche das erste manoever ab. war der abstand dahinten nicht groesser? ich schau es mir an, probiere aus, breche das zweite manoever auch ab. gerate in den strom der faehre und werde an einen der heckpfahle gedrueckt. nichts passiert, trotzdem mist. an der einziegen pier, an der man laengsseits festmachen kann, liegen drei boote mit recht kleinem abstand. hinten in der ecke liegen die boot im rechten winkel zueinander, dazwischen etwas platz. letzte chance. ich halte darauf zu, die faehre ist weg das wasser hat sich aber noch nicht ganz beruhigt; das boot ist unruhig. ich aergere mich, das keiner von den hier liegenden booten aus der kajuete kommt, um beim anlegen zu helfen. war das nicht mal selbstverstaendlich? ich fahre in einem spitzen winkel an dem ersten boot vorbei auf den steg zu. der wind drueckt meinen bug vom steg weg, lege den rueckwaertsgang ein. der querliegende ist nur wenige meter vor mir. mensch, die muessen doch merken, dass hier jemand am rotieren ist?! nochmal von vorn. wieder drueckt der wind den bug rum. ich komme nicht dichter ran, schnappe mir meine beiden festmachen und springe auf die pier. das war knapp! bekomme das boot zum stoppen, und nun? nun steh ich hier, aber nichts zum festmachen. poller in zu grossen abstaenden, keine klampen oder dergleichen und der wind baut ordentlich druck auf. provisorisch binde ich die vorleine an dem bretterbelag der pier fest um mit der heckleine moeglichst schnell das boot unter spannung zu bekommen. ich sprinte nach hinten, die provisorische vorleine loest sich. mit wind und welle dreht sich der bug. ich ziehe an der heckleine. zu spaet; mein bug rauscht in die seite des vor mir querliegenden. ich springe zurueck an bord, manoevriere das boot in die beckenmitte. das schiebeluck des betroffenen schiffes oeffnet sich. zwei aeltere herren steigen auf die pier. „i hit your boat!“ rufe ich ihnen zu und machen handzeichen, das ich einen kreis fahre und es nochmal versuche, anzulegen. die beiden nicken und winken mich ran, helfen mir beim anlegen. klappt wunderbar. der eine verschwindet unter deck, der andere und das ist wohl der eigener, schaut finster. ich frage ihn, ob ich mir den schaden an seinem boot ansehen duerfe. er nickt. vier kleine aber tiefe kratzer im gelcoat. in gedanken sehe ich schon die selbstbeteiligung von meinem konto runter und den jahresbeitrag rauf gehen. verdammter mist. so kurz vor dem ende der reise. wir verstaendigen uns darauf den schaden morgen bei tageslicht anzuschauen. etwas frustriert sitze ich noch eine weile bei mir im cockpit. jetzt kochen? ne, der hunger ist mir vergangen. da steht ploetzlich der zweite neben meinem boot mit einer heissen tasse kaffee. dankend, aber etwas verdutzt nehme ich die tasse.

 

naechster morgen. ich klopfe am beschaedigtem daenischem boot. der eigner kommt mit einem zettel und einem schiffsausruesterkatalog auf die pier. er drueckt mir den zettel in die hand. darauf steht: spachtel 50 kr, gelcoat 300 kr. „is it ok for you?“ fragt er mich. „sure!“, was fuer eine erleichterung! und nebenbei entschuldigt er sich, dass er nicht mitbekommen habe, das jemand probleme beim anlegen gehabt habe…

 

 

kopenhagen, daenemark, 22.09.2013

im christianshavn liegt man in einem kanal mitten im zentrum von kopenhagen. toller ort! na, ich lass mal die fotos sprechen. soviel noch: einwohner fahren mit kloschuesseln durch die gegend, im tivoli schaue ich mir die bands „veto“ und „this floor is made of lava“ an und die bar „the union“ ist ein echter geheimtipp: kein schild, keine werbung. einfach eine schwarze holztuer in einer haeuserzeile. klopfen, und die tuer wird von einem kahlkoepfigen huenen geoffnet. freundlich zeigt er einem den weg. der laden brennt im wahrsten sinne des wortes; die barkeeper zuenden nachst um 4 uhr den tresen an…

 

 

anholt, daenemark, 17.09.2013

auf anholt war ich das letzte mal vor etwa dreissig jahren. aber veraendert hat sich hier bestimmt nichts. ist schon typisch daenisch; sandstrand, steilkueste, hagebuttenstraeucher. letzter mann im hafen, nach mir schaltet der hafenmeister den gebuehrenautomaten ab…

 

varberg, schweden, 13.09.2013

es ist kurz vor drei in der nacht. das telefon klingelt:“ fahre gerade auf den parkplatz vom hafen.“. jens ist angekommen. vor uns liegen der trollhaettekanal, goeta aelv, goeteborg und die goeteborger schaeren…
der bau des trollhaettekanals erfolgte beinahe zeitgleich mit dem des goetakanals anfang des 19. jahrhunderts. jedoch behielt dieser seine wirtschaftliche bedeutung und so sind hier in trollhaettan drei generationen von schleusen nebeneinander sichtbar. die heutigen haben einen hub von bis zu 11 metern, das ist die hoehe meines mastes; deutlich andere dimensionen als im goetakanal.
am fuss der alten schleusen erwartet uns ein wunderschoener, geschuetzter platz fuer die nacht.
wir heizen den grill an…

 

 

die bohusfestning kommt in sicht. eine im 14. jahrhundert errichtete festung noerdlich von goeteborg. wie oft bin ich an dieser festung mit dem auto vorbeigefahren, wie oft war ihr anblick zeichen fuer das baldige erreichen des urlaubszieles. und nun liegen wir mit dem boot in dem natuerlichem burggraben und springen in das kuehle nass. klasse!

 

 

 

mit goeteborg erreichen wir schwedens zweitgroesste stadt. wir beide kennen goeteborg schon, trotzdem macht es spass wieder durch die stadt zu laufen. und wir treffen meinen vetter philipp mit frau tina und tochter lilia. zum mittagessen, zum abendessen. man sieht sich viel zu selten…
den zweiten tag in goeteborg versuche ich dem problem meiner batterie auf die schliche zu kommen. sie stellt seit einiger zeit nur noch 20% ihrer urspruenglichen energie zur verfuegung. tendenz abnehmend.
grund und loesung ist bis jetzt nicht gefunden und so hoffe ich, dass sie noch bis zum ende durchhaelt…

… wir segeln raus in die inselwelt. seitenwechselende.

 

vaenersborg, schweden, 05.09.2013

ansgar ist da. alles hat gepasst. sein flug wurde verschoben und die anschliessenden verbindungen standen auf dem spiel. und nun kommt er mir entgegen. mit einem winzig kleinen koffer. ich bin begeistert!
zusammen werden wir in den kommenden fuenf tagen den goetakanal befahren, 102 seemeilen (ca. 189 km) zuruecklegen, 58 schleusen meistern und 50 klapp-, dreh- und rollbruecken passieren. am hoechsten punkt, dem see viken, sind wir 92 meter ueber dem meeresspiegel. es ist schon nebensaison, das bedeutet, dass wir in einer gruppe fahren und feste tagesziele haben. hat vor- und nachteil. nachteil: wir koennen an keinem ort laenger bleiben. vorteil: alle schleusen und bruecken stehen fuer uns ohne wartezeiten offen! schon am ersten tag in mem lernen wir unsere reisegefaehrten kennen. eine gruppe schweizer, die mit ihrem skipper auf einer collin archer unterwegs sind, ein deutsches ehepaar aus berlin und ein schwedisches paar. und wir haben glueck: roland, das familienoberhaupt der schweizer, hat in den letzten dreissig jahren seiner urlaube kein schlechtes wetter gehabt, behauptet er zumindest. ob das stimmt? wer weiss, aber bis jetzt haben wir nur sonnenschein und wir glauben es einfach mal ; ).
trist und kalt muessen die schleusenwaende, die bruecken, der ganze kanal wirken, wenn es die gesamte durchfahrt ueber regnen wuerde. wir freuen uns ueber das anhaltende, sonnige wetter und nennen es hoch roland.
es geht mitten durch schweden. ein schweden aus dem bilderbuch. felder, waelder, wiesen, doerfer, seen. und das alles mit 4,5 knoten (ca. 8 km/h) fahrt. werden von fahrradfahren ueberholt, fussgaenger ueberholen wir. uns wird zugewunken, wir winken zu. eine tolle stimmung.

 

 

nach etwas mehr als fuenf tagen erreichen wir mariestad. wir sind auf dem vaenern angekommen, europas drittgroesstem binnensee. ansgar geht von bord und mich zieht es wieder raus in die schaeren ; ). in einer woche kommt jens an bord und begleitet mich durch den trollhaettankanal nach goeteborg und weiter…

 

mem, schweden, 22.08.2013

ich koennte schreien vor freude, segel mich ganz langsam durch die suedlichen stockholmer schaeren. ankere in kleinen naturreservaten, entdecke inseln mit dem beiboot und tauche unter dem schiff durch, tauche an der ankerkette hinunter, tauche in die schaeren ein.
in den maszstaeben der schwedischen seekarten ist es ein leichtes, kleine, wunderbare ankerbuchten zu finden. erstes auswahlkriterium: naturreservat. dann die vorhandene und vorhergesagte windrichtung gefolgt von der wassertiefe. dort, wo man schilff vorfindet, haelt der anker. beim schaerenankern hat sich der tipp bewaehrt, dass der stein groesstenteils unterwasser so weiterlaeuft, wie er ins wasser eintaucht.
bastian ist in stockholm von bord gegangen und ansgar kommt erst in einer woche in mem, dem eingang zum goetakanal, an bord. viel zeit also um es entspannt anzugehen.
der innere schaerenweg ist wieder gewaehlte route. seit finnland versuche ich so oft es moeglich ist diese zu nehmen. wunderbar ist es zwischen den insel durchzugleiten, aufzukreuzen. namen wie saltkrokan, pannkaksgrunden, engelsgrund und viele jungfrun tauchen neben einem auf. kleine hoehepunkte sind dann passagen, wie der dragetskanal. ein fuenf meter breiter, 300 meter langer felskanal mitten durch wald…

 

 

stockholm, schweden, 15.08.2013

„da, schon wieder ein blitz“, bastian zaehlt die sekunden,“ dreissig, also etwa 10 km entfernt. genau wie die letzten, es kommt also nicht naeher!“ wir durchsegeln die wohl verregnetste woche meines bisherigen toerns. bastian nimmts gelassen. trotzdem, es wird zunehmend nass auch unter deck. auf storjungfrun geht’s in die holzbefeuerte sauna. draussen ist es kalt, grau, nass; es regnet und hier drinnen -wohlig warm, das feuer knistert und der blick schweift durch das fenster ueber die bucht. bei stroemendem regen geht’s dann zur abkuehlung ins meer.
in oeregrund gibt uns dieses wetter ein unglaubliches wolkenbild zu sehen. am naechsten tag nehmen wir den vaeddoekanal, ein teilweise kuenstlicher, teilweise natuerlicher kanal und ab durch die schaeren nach stockholm. was fuer eine wunderschoene stadt und doch zieht es mich wieder raus in die schaeren. dennoch, zwei tage bleibe ich. mehr vertraegt die bordkasse auch nicht bei liegegebuehren von 355 kronen (ca. 41 euro) die nacht. es ist musikfestival und mando diao spielen heute abend auf dem gustavs-adolphs-torg. nett. schau ich mir an. und am naechsten vormittag noch das vasamuseum und dann los. wieder raus… aber ich komme zurueck!

 

soederhamn, schweden, 04.08.2013

heute abend wird bastian zusteigen und mich bis stockholm begleiten. ich werde gleich den goetakanal buchen und stelle fest, dieser ist dann schon in seiner nebensaison. und mir wird das erste mal deutlich, das der sommer sich dem ende neigt. das ging unglaublich schnell. und nach dem goetakanal? norwegen ist ein anderer urlaub. kopenhagen reizt mich, anholt auch. ist wetterabhaengig, wir werden sehen. hab auch lust auf mein altes revier flensburger foerde, sonderborg, alssund, dyvig. einfach mal sehen, wie es sich dort anfuehlt, nachdem man einmal um die ostsee ist…
stop! der sommer ist noch nicht vorbei. jetzt liegt stockholm und der stockholmer schaerengarten vor uns, goetakanal, goeteborg, …

 

hoega kusten, schweden, 27.07.2013

in oernkoeldsvik steigt patricia fuer eine woche dazu und wir durchstreifen zusammen die hoega kuesten. unesco weltkulturerbe. ein kleiner aber wunderschoener kuestenabschnitt, ankern in kleinen buchten mit bergpanorama im hintergrund, besuchen orte wie trysunda, mjaltoen, boenhamn. die landhebung von bis zu 9cm im jahr! ist hier allgegenwaertig. seit dem ende der letzten eiszeit hebt sich das land, befreit von dem druck der eismassen, hier besonders stark. alte ortsnamen, wie trysunda (drei sunde) deuten darauf hin; trysunda hat nur noch zwei sunde, einer ist durch die landhebung mittlerweile verlandet, der zweite wird in 35 jahren begehbar sein. auf mjaltoen liegen wir in einer rundum geschuetzten kleinen ankerbucht die man nur durch eine schmale zufahrt erreicht. mjaltoen ist schwedens hoechste insel; 236m. die kuppe ist wolkenumspuelt, macht nichts, wir bringen, dem brauch entsprechend, unseren stein auf die spitze. zurueck am boot feuern wir die kleine sauna an. herrlich.

 

 

naechster tag sonne pur und wir beschliessen dem nahegelegenen skuleberget, 293m, einen besuch abzustatten um unseren auf mjaltoen entgangenen ausblick nachzuholen. an dessem fuss liegt das hoegakustenmuseum, klar, dass wir das auch besuchen…
letzter abend: eine nordische spezialitaet kommt auf den tisch: surstroemming. dieser fisch wird ein jahr lang in salzlake in der dose vergoren. grob wussten wir, was uns erwarten wuerde; uebler gestank beim dose oeffenen und wirklich, es riecht stark nach altem katzenklo. probiert wird trotzdem. es schmeckt nicht so schlimm, wie es riecht, sehr salzig…
ich darf verraten, das wir nicht die ganze dose aufgegessen haben und das unser backup, graved lax, recht schnell zum einsatz kam… ; )

 

 

 

mellerstoen, schweden, 18.07.2013

seglar foer livet

hej!, ruft es neben mir. ich zucke gehoerig zusammen. liege in einer kleinen bucht der insel mellerstoen und hatte nicht erwartet, dass heute noch jemand den weg hierhin finden wuerde. zwei schweden mit kajaks liegen neben mir. ulrika und tim haben sich den spass gemacht und sich angeschlichen; ich habe sie nicht kommen hoeren.
wir verbringen einen schoenen abend zusammen. ulrika und tim sind seit knapp drei monaten unterwegs und paddeln die schwedische kueste entlang. im svinesund an der norwegisch-schwedischen grenze gestartet, sind sie jetzt kurz vor ihrem ziel haparanda. und sie paddeln fuer ein projekt, das tim ins leben gerufen hat: www.paddlaforlivet.com.

 

 

find ich klasse und beschliesse das zu unterstuetzen im sinne von `seglar for livet`.
ab jetzt wird gesammelt! fuer die umwelt, als dankeschoen an die ostsee…

 

 

die tage zuvor…

 

interessanterweise sieht es einem arbeitsalltag recht aehnlich. mit dem unterschied, dass es keinen samstag und sonntag gibt. dafuer gibt es aber auch keine vorgeschriebenen arbeitszeiten an den wochentagen. der durchschnittstag;
ich beginne mit dem fruehstueck gegen 9.00 uhr. espresso, brot mit aufschnitt, ei, orangensaft; kontinentalfruehstueck.
da ich den tag ueber an der pinne (ruder) sitze, mir unterwegs nichts kochen kann, schmiere ich mir eine paar brote und koche mir zwei eier mehr. schokolade und kekse fuer kurzfristige energie. banane und apfel sind staendige begleiter. die route habe ich mir am vorabend zurecht gelegt und in das ipad eingegeben. wetterbericht fuer start- und zielpunkt notiert. los geht’s.

 

 

40 seemeilen sind wohl ein guter durschnittstag. das bedeutet bei 4 knoten durschnittsgeschwindigkeit 10 stunden segeln. man hat sich daran recht schnell gewoehnt, beobachtet wolken, kueste, wasser, segel, gedanken:

… der duft der haut der ersten grossen liebe liegt in der nase, mit einem grinsen im gesicht freue ich mich ueber die erinnerung/ beobachte gleichzeitig zwei voegel, wie sie sich um beute streiten. -der ewige grosse kreislauf/ enstehen, vergehen- denke ich, und schaue uebers wasser/ wieviele gesichter dieses element doch hat!/ was kommt nach dieser reise?/ ich stelle mir hamburg in diesem moment vor: laut, hektisch, trotzdem mit reiz. freunde sitzen bei der arbeit; gehen ihrem alltag nach. ganz schoen weit weg/ was moechte ich in der zeit, die mir mit diesem leben gegeben ist, erreichen? wie moechte ich es erreichen?/ und was kommt danach? ich muss lachen; na, was neues, ist doch klar! …….

angekommen in der ankerbucht oder hafen, wird das schiff aufgeraeumt. war es kalt und nass, ist eine warme dusche/ sauna ein hochgenuss. essen gekocht. abends meistens warm: viel pasta, kartoffeln oder reis. gegend erkundet. wetterbericht ueber ukw oder internet eingeholt. das naechste tagesziel in das ipad eingegeben… oder ein tag geblieben…

 

 

etwas, was mir meine tante mit auf den weg gegeben hat. schoen diese zeilen hier oben zu lesen:

die natur ist die grosse ruhe gegenueber unserer beweglichkeit.
darum wird sie der mensch immer mehr lieben je faeiner und beweglicher er werden wird.
sie gibt ihm die grossen zuege, die weiten perspektiven und zugleich das bild einer bei aller unermuedlichen entwicklung erhabenen gelassenheit.

ch. morgenstern

unterwegs bin ich mit einem folkeboot. 7,64m lang und 2,20m breit. diese wurden 1941 in skandinavien entworfen. damals ueblicherweise in holz hergestellt. die ersten glasfaserfolkeboote wurden 1976 produziert. meines ist 1977 bei lm varvet in daenemark entstanden und hat die baunummer 28. es ist somit 36 jahre alt.

unter deck links, also backbord vom niedergang befindet sich die kueche mit zweiflammigem spirituskocher. darunter allzweckschublade und faecher fuer toepfe, pfannen und geschirr. rechts, steuerbord, ein kleiner schrank, der als stauraum fuer werkzeug, handscheinwerfer und kamera dient. dann kommen die beiden kojen. die backbordkoje ist kartentisch, sozusagen arbeitsplatz und direkter zugriff auf die notwendigen klamotten des tages. die steuerbordkoje ist schlafstaette. ueber den kojen befinden sich die sogenannten schwalbennester. backbord mit radio, voltmeter und sicherungskasten. steuerbord die bibliothek. unter den kojen sind die dinge nach haeufigkeit des benutzens angeordnet. vorne beginnend mit espressokocher, hinten endend mit seenotsignalmitteln…. dazwischen elektroheizplatte, heizluefter und wasserkocher fuer den hafen, werkzeug, waschmittel, …
in der mitte die bilge, mein kuehlschrank, dort lagern die lebensmittel. viel nudeln, reis, brot.
vorne in der bugkoje staue ich meinen gennaker (grosses leichtwindsegel), mein kojenmittelpolster, dazugehoeriges lattenrost, kuchenbude (zelt fuer das cockpit), mein schlauchboot marke bombard ax mini, meinen kleiderschrank in sporttaschenform und die seekarten.
im stauraum darunter befindet sich eine 140 ah agm batterie. sie versorgt die positionslaternen (led), innenraumbeleuchtung (led), radio mit wasserdichten lautsprechen im innenraum und cockpit, funkgeraet, bilgenpumpe, ipad als kartenplotter und den inmarsat transponder fuer das livetracking.

 

 

draussen im cockpit in der backbordbackskiste staue ich die fender, den radarreflektor und weitere seenotsignalmittel fuer den sofortigen zugriff. in der steuerbordbackskiste befinden sich der hauptanker, ein plattenanker inklusive 30m leine mit 10m bleieinlage, der zweitanker, ein faltdraggen mit 20m leine und 4m kettenvorlauf, die puetz (wc), und das tauwerk fuer das festmachen an heckbojen (2x15m, grosser karabiner). ueber der achterlichen sitzbank befinden sich zwei schubladen. die eine enthaelt den taeglichen proviant die andere dinge, wie nebelhorn, handfunkgeraet, schaerenanker, usw. unter der sitzbank befinden sich ein tisch fuer das cockpit und 2x 12 liter benzinkanister + 1x 5 liter resevere. bei einem verbrauch von im mittel 1,2 liter pro stunde bei knapp 4,5 knoten fahrt ergibt sich somit eine reichweite unter motor von 108 seemeilen (ca. 200 km). motorisiert bin ich mit einem honda 5ps viertakt langschaft aussenborder.
als kartenplotter nutze ich ein ipad mit navionicsseekarten in einem wasserdichten case von andres industries welches auch eine dauerhafte, wasserdichte lademoeglichkeit bietet. am backbordschott montiert. am steuerbordschott klassisch und unverzichtbar der kompass.

 

 

unter segeln habe ich ein gross, 17qm, mit zwei eingenaehten reffreien bei 1,25m und 2,50m. ein lazy jack system verhindert, dass das segel waerend des bergens seitlich wegwehen kann und ersetzt eine dirk (leine, die verhindert, dass der baum waerdend des segelbergens ins cockpit faellt). eine fock, 7qm, mit senkrecht eingenaehten segellatten, da ich ein bartels rollfocksystem nutze. bei passendem leichtwind setze ich einen 27qm gennaker mit bergeschlauch. ein fockausbaumer ist ebenfalls an deck. diesen zweckentfremde ich bei leichten achterlichen winden auch zum ausbaumen des gennakers. ersatzsegel habe ich nicht dabei.

und wie sieht der alltag aus?
das gibt’s im naechsten post ; )

toerehamn, schweden, 11.07.13

… richtung norden. nach 1964 seemeilen (3637 km) bin ich in toerehamn, dem noerdlichsten fuer segelboote erreichbarem ort der ostsee, angekommen. eine einsame letzte, gelbe tonne markiert das ende der ostsee. 65°54’07” n, 022°39’00” e. von nun an geht’s gen sueden…

an dieser stelle moechte ich allen firmen, meinen eltern, meiner grossmutter und meiner schwester + familie sowie freunden die mich unterstuetz haben und unterstuetzen, ein grosses dankeschoen aussprechen!

 

 

die tage zuvor…

marjaniemie, finnland, 08.07.13

unentschlossen laufe ich zwischen faein und dem 500 m entferntem internet hotspot am hotel hin und her. heute raus oder nicht? rufe immerwieder den aktuellen wetterbericht ab. alle zeichnen das gleiche bild: zum nachmittag soll es auf 7 m/s aus west abflauen. in solchen momenten moechte man dem wetterbericht auf die minute glauben. wir haben es 16.00 uhr und es weht ununterbrochen mit 12+ m/s aus west. die welle steht direkt auf die hafenausfahrt. wenn ich heute nicht den westwind nach haparanda nutze, werde ich fuer die naechsten tage hier festsitzen.
ich kann es selber kaum glauben; ich steuere gerade auf die hafenausfahrt zu. der aussenborder wird bei diesem wellengang gleich seine wirkung verlieren. ich setze das gross noch im hafenbecken, das zweite reff eingebunden. wir passieren die ausfahrt. motor verliert wirkung. ich rolle die fock aus, bringe das boot nach lee. das boot wird vom wind zurueck in richtung der greifbar nahen steinmole gedrueckt. langsam setzt die wirkung der segel ein. wir bekommen fahrt, kreuzen gegen die massive welle stampfend die hafenausfahrt auf. wenn in solchen momenten etwas schief geht; ich mag nicht drueber nachdenken.
draussen. kurs haparanda. ich hab das zweite reff die letzten wochen richtig lieb gewonnen. viel entspannter, trockener, weniger materialbeanspruchend bei nahezu gleicher geschwindigkeit. noch 60 sm. wir haben es 17.00 uhr. ich werde in den morgenstunden dort sein. der wind dreht auf nordwest. gegenan. es wird eine lange kreuz…

 

 

maakalla, finnland, 05.07.13

langsam zeichnet sich eine insel am horizont ab. maakalla. mein ziel.
zwei kinder spielen am strand. vor einer der huetten sitzen ein mann und eine frau. sie schauen entspannt zu. alles hier strahl schon jetzt eine unglaubliche ruhe und gelassenheit aus.
neugierig kommen die jungen zum steg gelaufen und ich werfe ihnen eine leine zu. der vater ruft von hinten, dass sie sie festhalten sollen. er hat sich ebenfalls auf den weg gemacht. gemeinsam vertaeuen wir faein. „die sauna ist noch heiß, komm, ich zeig sie dir… hast du schon etwas gegessen?“ ich schuettel den kopf. “wir haben noch geraecherten fisch wenn du magst.“
zum abendbrot gibt es frisch geraeucherten fisch mit butterbrot und ich beschliesse einen tag hier zu verbringen.
damals war diese insel ein stuetzpunkt fuer fischer und robbenjaeger. mittlerweile werden die kleinen huetten ausschliesslich als sommerhaeuser genutzt. die meisten von ihnen sind schon seit langer zeit in familienbesitz, denn, wer sich hier niederlassen darf bestimmt nicht das geld sondern die gemeinschaft. und auch die hutten haben allesamt aehnliche grundrisse und groesze. kein strom, kein suesswasser und nicht mehr als zwei fenster. so wie es frueher hier ueblich war. egal wer du auf dem festland bist, hier sind und leben alle gleich. interessante vorstellung.
„hast du lust morgen mit zum lachs zu kommen?“ holt janne, der vater der beiden jungen, mich zurueck aus meinen gedanken, “ich hab draussen reusen liegen!“ „na, sofort!“, lache ich ihn an.
abends sitzt die dorfgemeinschaft bei selbstgekeltertem „sommerwein“ vor einer der huetten. mir wird ein glas in die hand gedrueckt; ich soll probieren. der wein schmeckt erstaunlich gut. die verkostung dauert den restlichen abend. ella pflueckt wilde erdbeeren. ella gibt mir die haelfte ab. ella laechelt mich verschmitzt an. ella ist ueber siebzig.
ich werde ausgefragt. ich frage aus. alte deutschkenntnisse werden hervorgekramt. ich lerne etwas finnisch. geschichten werden erzaehlt. hier koennte ich einen ganzen sommer verbringen…

 

 

die tage vor maakalla…

 

mariehamn, åland, 21.06.13

kurs mariehamn, haupstadt der ålands. mir kommen die ganze zeit mit birkenzweigen geschmueckte schiffe entgegen. es ist midsommar! als ich im hafen eintreffe, haben die meisten, die noch da sind, ueber top geflaggt. die sonne scheint; so soll es sein fuer midsommar. die finnischen liegeplatznachbarn sind gerade auf dem weg zum gemeinschaftlichen stellen des midsommarbaum. ganz aehnlich unserem maibaum. froehlich fordern sie mich auf, mitzukommen. klar, das schau ich mir an…
der midsommarbaum wird von jung und alt gemeinsam gestellt. es wird geklatscht und gejubelt als er steht. singend und tanzend wird er anschliessend umrundet. nun hat hier der sommer richtig begonnen und fuer viele ålaender und finnen beginnt jetzt auch die urlaubszeit. entsprechend ausgelassen ist die stimmung. midsommar ist ein famlienfest, doch wie bei uns ziehen die jungeren abends dann noch los. wir halten uns streng an die rituale, kochen alle (silja, christian, daniel, lasse, ich) zusammen auf der legat und ziehen am spaeten abend los. das nachtleben ist schon im vollem gange. vorrangig wird drittklassiger mitgroehltechno gespielt. egal. wir tanzen. macht trotzdem spass! dann gegen 5 uhr morgens ploetzlich ein alternativ/ indie schmusesong; schlagartig ist die tanzflaeche voller paare. jetzt wird’s gut, denk ich noch. kaum ist der song zu ende -licht an, musik aus. aehh? alle stroemen friedlich, wie verabredet, richtung garderobe und ausgang. steigen in taxis oder laufen in alle himmelsrichtungen davon. voellig verdutzt stehen wir auf der tanzflaeche. schauen uns um, schauen uns an. dieses ritual hat uns niemand erzaehlt. was sollen wir machen? wir machen nach. ab in die kojen…

die tage zuvor…

flakholmen, finnland, 12.06.13

daniel und ich verwschwinden im schaerengarten von finnland. pekkas schoenen orten folgend, verbringen wir viel zeit mit ankern und gemuehtlichem abfahren der inneren schaerenwege. traumhaft! die sind teilweise so eng, dass man den leuten am ufer die hand geben kann…
und da kratzt es unterm kiel. daniel und ich schauen uns abwartend an. vorbei. erste grundberuehrung. stein. das muss ein auslaeufer der rundgeschliffenen schaere gewesen sein, die wir gerade passiert haben… nicht in der karte verzeichnet.
und wieder einmal freue ich mich ueber mein folkeboot; es ist einfach fuer die ostsee gemacht. die haelfte seines gewichtes (somit ca. 1t) liegen unten im gusseisernen kiel und der vertraegt ne ganze menge. durch seine form rutscht man eher ueber hindernisse hinweg. und mit seinen nur 1,2m tiefgang erreicht man orte, die nur wenigen zugaenglich sind…

byxholmen, finnland, 13.06.13

vor uns steigt eine kleine rauchsaeule senkrecht in den himmel. wir sind kurz vor byxholmen. es regnet leicht und gerade deshalb macht sich eine wohlige vorfreude breit, wissen wir doch, was die rauchsaeule bedeutet; die sauna ist angeheizt. auf den steinen davor sitzen silja und christian und winken. byxholmen ist eine unbewohnte insel, auf der eine kleine sauna steht. das daneben liegende holz muss man vorher selber in ofengerechte stuecke saegen und hacken…

hanko, finnland, 14.06.13

nach einer woche ist hanko das letzte gemeinsame ziel. hier wird daniel die bahn zurueck nach helsinki nehmen und von dort seinen flug nach hamburg. auf dem rueckweg vom bahnhof merke ich das erste mal auf dieser reise, dass ich alleine unterwegs bin. ich durchstreife die stadt, versuche mich abzulenken, gelingt nicht. zurueck am boot gehts frueh in die koje… junge, das war zu kurz.

nicht nur sonnenschein. bilder von der jule aus.

dalsskaer, finnland, 17.06.13

wir feiern siljas geburtstag auf dalskaer. ein weiterer einheimischer tipp. sowieso halten die finnen mit ihren lieblingsplaetzen nicht hinterm berg. kaum sitzt man mit einer karte im cockpit, kommt auch schon die frage vom finnischen liegeplatznachbarn:“wo wollt ihr den hin?“ antwort:“ ja, schauen wir gerade. wind, richtung,…“.“also ihr muesst unbendingt nach… und da auch… und das erst…“. so lerne ich die finnen als offene, gespraechsbereite und gerne beim an- und ablegen behilfliche menschen kennen, die sich selber auch ueber eine zusaetzliche hand beim an- und ablegen freuen. entgegen so mancher angelesenen behauptung.

dalskaer ist ein kleines paradies. eine hufeisenfoermige insel und wir mittendrin. auch hier gibt es eine feuerstelle und man muss das holz selber hacken. keine frage, wir grillen. per sms in kontakt mit der legat, schaffen es die jungs doch tatsaechlich nach einem langen toern noch vor zwoelf hier einzutreffen. der entspannung halber beschliessen wir siljas geburtstag einfach nach deutscher zeit zu feiern. dunkel wird es hier eh nicht mehr. die sonne verschwindet kurz hinter dem horizont. als sie wieder aufgeht, werden wir alle ruhig. und schauen ihr einfach nur dabei zu…