Archives for the month of: Juli, 2013

unterwegs bin ich mit einem folkeboot. 7,64m lang und 2,20m breit. diese wurden 1941 in skandinavien entworfen. damals ueblicherweise in holz hergestellt. die ersten glasfaserfolkeboote wurden 1976 produziert. meines ist 1977 bei lm varvet in daenemark entstanden und hat die baunummer 28. es ist somit 36 jahre alt.

unter deck links, also backbord vom niedergang befindet sich die kueche mit zweiflammigem spirituskocher. darunter allzweckschublade und faecher fuer toepfe, pfannen und geschirr. rechts, steuerbord, ein kleiner schrank, der als stauraum fuer werkzeug, handscheinwerfer und kamera dient. dann kommen die beiden kojen. die backbordkoje ist kartentisch, sozusagen arbeitsplatz und direkter zugriff auf die notwendigen klamotten des tages. die steuerbordkoje ist schlafstaette. ueber den kojen befinden sich die sogenannten schwalbennester. backbord mit radio, voltmeter und sicherungskasten. steuerbord die bibliothek. unter den kojen sind die dinge nach haeufigkeit des benutzens angeordnet. vorne beginnend mit espressokocher, hinten endend mit seenotsignalmitteln…. dazwischen elektroheizplatte, heizluefter und wasserkocher fuer den hafen, werkzeug, waschmittel, …
in der mitte die bilge, mein kuehlschrank, dort lagern die lebensmittel. viel nudeln, reis, brot.
vorne in der bugkoje staue ich meinen gennaker (grosses leichtwindsegel), mein kojenmittelpolster, dazugehoeriges lattenrost, kuchenbude (zelt fuer das cockpit), mein schlauchboot marke bombard ax mini, meinen kleiderschrank in sporttaschenform und die seekarten.
im stauraum darunter befindet sich eine 140 ah agm batterie. sie versorgt die positionslaternen (led), innenraumbeleuchtung (led), radio mit wasserdichten lautsprechen im innenraum und cockpit, funkgeraet, bilgenpumpe, ipad als kartenplotter und den inmarsat transponder fuer das livetracking.

 

 

draussen im cockpit in der backbordbackskiste staue ich die fender, den radarreflektor und weitere seenotsignalmittel fuer den sofortigen zugriff. in der steuerbordbackskiste befinden sich der hauptanker, ein plattenanker inklusive 30m leine mit 10m bleieinlage, der zweitanker, ein faltdraggen mit 20m leine und 4m kettenvorlauf, die puetz (wc), und das tauwerk fuer das festmachen an heckbojen (2x15m, grosser karabiner). ueber der achterlichen sitzbank befinden sich zwei schubladen. die eine enthaelt den taeglichen proviant die andere dinge, wie nebelhorn, handfunkgeraet, schaerenanker, usw. unter der sitzbank befinden sich ein tisch fuer das cockpit und 2x 12 liter benzinkanister + 1x 5 liter resevere. bei einem verbrauch von im mittel 1,2 liter pro stunde bei knapp 4,5 knoten fahrt ergibt sich somit eine reichweite unter motor von 108 seemeilen (ca. 200 km). motorisiert bin ich mit einem honda 5ps viertakt langschaft aussenborder.
als kartenplotter nutze ich ein ipad mit navionicsseekarten in einem wasserdichten case von andres industries welches auch eine dauerhafte, wasserdichte lademoeglichkeit bietet. am backbordschott montiert. am steuerbordschott klassisch und unverzichtbar der kompass.

 

 

unter segeln habe ich ein gross, 17qm, mit zwei eingenaehten reffreien bei 1,25m und 2,50m. ein lazy jack system verhindert, dass das segel waerend des bergens seitlich wegwehen kann und ersetzt eine dirk (leine, die verhindert, dass der baum waerdend des segelbergens ins cockpit faellt). eine fock, 7qm, mit senkrecht eingenaehten segellatten, da ich ein bartels rollfocksystem nutze. bei passendem leichtwind setze ich einen 27qm gennaker mit bergeschlauch. ein fockausbaumer ist ebenfalls an deck. diesen zweckentfremde ich bei leichten achterlichen winden auch zum ausbaumen des gennakers. ersatzsegel habe ich nicht dabei.

und wie sieht der alltag aus?
das gibt’s im naechsten post ; )

toerehamn, schweden, 11.07.13

… richtung norden. nach 1964 seemeilen (3637 km) bin ich in toerehamn, dem noerdlichsten fuer segelboote erreichbarem ort der ostsee, angekommen. eine einsame letzte, gelbe tonne markiert das ende der ostsee. 65°54’07” n, 022°39’00” e. von nun an geht’s gen sueden…

an dieser stelle moechte ich allen firmen, meinen eltern, meiner grossmutter und meiner schwester + familie sowie freunden die mich unterstuetz haben und unterstuetzen, ein grosses dankeschoen aussprechen!

 

 

die tage zuvor…

marjaniemie, finnland, 08.07.13

unentschlossen laufe ich zwischen faein und dem 500 m entferntem internet hotspot am hotel hin und her. heute raus oder nicht? rufe immerwieder den aktuellen wetterbericht ab. alle zeichnen das gleiche bild: zum nachmittag soll es auf 7 m/s aus west abflauen. in solchen momenten moechte man dem wetterbericht auf die minute glauben. wir haben es 16.00 uhr und es weht ununterbrochen mit 12+ m/s aus west. die welle steht direkt auf die hafenausfahrt. wenn ich heute nicht den westwind nach haparanda nutze, werde ich fuer die naechsten tage hier festsitzen.
ich kann es selber kaum glauben; ich steuere gerade auf die hafenausfahrt zu. der aussenborder wird bei diesem wellengang gleich seine wirkung verlieren. ich setze das gross noch im hafenbecken, das zweite reff eingebunden. wir passieren die ausfahrt. motor verliert wirkung. ich rolle die fock aus, bringe das boot nach lee. das boot wird vom wind zurueck in richtung der greifbar nahen steinmole gedrueckt. langsam setzt die wirkung der segel ein. wir bekommen fahrt, kreuzen gegen die massive welle stampfend die hafenausfahrt auf. wenn in solchen momenten etwas schief geht; ich mag nicht drueber nachdenken.
draussen. kurs haparanda. ich hab das zweite reff die letzten wochen richtig lieb gewonnen. viel entspannter, trockener, weniger materialbeanspruchend bei nahezu gleicher geschwindigkeit. noch 60 sm. wir haben es 17.00 uhr. ich werde in den morgenstunden dort sein. der wind dreht auf nordwest. gegenan. es wird eine lange kreuz…

 

 

maakalla, finnland, 05.07.13

langsam zeichnet sich eine insel am horizont ab. maakalla. mein ziel.
zwei kinder spielen am strand. vor einer der huetten sitzen ein mann und eine frau. sie schauen entspannt zu. alles hier strahl schon jetzt eine unglaubliche ruhe und gelassenheit aus.
neugierig kommen die jungen zum steg gelaufen und ich werfe ihnen eine leine zu. der vater ruft von hinten, dass sie sie festhalten sollen. er hat sich ebenfalls auf den weg gemacht. gemeinsam vertaeuen wir faein. „die sauna ist noch heiß, komm, ich zeig sie dir… hast du schon etwas gegessen?“ ich schuettel den kopf. “wir haben noch geraecherten fisch wenn du magst.“
zum abendbrot gibt es frisch geraeucherten fisch mit butterbrot und ich beschliesse einen tag hier zu verbringen.
damals war diese insel ein stuetzpunkt fuer fischer und robbenjaeger. mittlerweile werden die kleinen huetten ausschliesslich als sommerhaeuser genutzt. die meisten von ihnen sind schon seit langer zeit in familienbesitz, denn, wer sich hier niederlassen darf bestimmt nicht das geld sondern die gemeinschaft. und auch die hutten haben allesamt aehnliche grundrisse und groesze. kein strom, kein suesswasser und nicht mehr als zwei fenster. so wie es frueher hier ueblich war. egal wer du auf dem festland bist, hier sind und leben alle gleich. interessante vorstellung.
„hast du lust morgen mit zum lachs zu kommen?“ holt janne, der vater der beiden jungen, mich zurueck aus meinen gedanken, “ich hab draussen reusen liegen!“ „na, sofort!“, lache ich ihn an.
abends sitzt die dorfgemeinschaft bei selbstgekeltertem „sommerwein“ vor einer der huetten. mir wird ein glas in die hand gedrueckt; ich soll probieren. der wein schmeckt erstaunlich gut. die verkostung dauert den restlichen abend. ella pflueckt wilde erdbeeren. ella gibt mir die haelfte ab. ella laechelt mich verschmitzt an. ella ist ueber siebzig.
ich werde ausgefragt. ich frage aus. alte deutschkenntnisse werden hervorgekramt. ich lerne etwas finnisch. geschichten werden erzaehlt. hier koennte ich einen ganzen sommer verbringen…

 

 

die tage vor maakalla…

 

mariehamn, åland, 21.06.13

kurs mariehamn, haupstadt der ålands. mir kommen die ganze zeit mit birkenzweigen geschmueckte schiffe entgegen. es ist midsommar! als ich im hafen eintreffe, haben die meisten, die noch da sind, ueber top geflaggt. die sonne scheint; so soll es sein fuer midsommar. die finnischen liegeplatznachbarn sind gerade auf dem weg zum gemeinschaftlichen stellen des midsommarbaum. ganz aehnlich unserem maibaum. froehlich fordern sie mich auf, mitzukommen. klar, das schau ich mir an…
der midsommarbaum wird von jung und alt gemeinsam gestellt. es wird geklatscht und gejubelt als er steht. singend und tanzend wird er anschliessend umrundet. nun hat hier der sommer richtig begonnen und fuer viele ålaender und finnen beginnt jetzt auch die urlaubszeit. entsprechend ausgelassen ist die stimmung. midsommar ist ein famlienfest, doch wie bei uns ziehen die jungeren abends dann noch los. wir halten uns streng an die rituale, kochen alle (silja, christian, daniel, lasse, ich) zusammen auf der legat und ziehen am spaeten abend los. das nachtleben ist schon im vollem gange. vorrangig wird drittklassiger mitgroehltechno gespielt. egal. wir tanzen. macht trotzdem spass! dann gegen 5 uhr morgens ploetzlich ein alternativ/ indie schmusesong; schlagartig ist die tanzflaeche voller paare. jetzt wird’s gut, denk ich noch. kaum ist der song zu ende -licht an, musik aus. aehh? alle stroemen friedlich, wie verabredet, richtung garderobe und ausgang. steigen in taxis oder laufen in alle himmelsrichtungen davon. voellig verdutzt stehen wir auf der tanzflaeche. schauen uns um, schauen uns an. dieses ritual hat uns niemand erzaehlt. was sollen wir machen? wir machen nach. ab in die kojen…

die tage zuvor…

flakholmen, finnland, 12.06.13

daniel und ich verwschwinden im schaerengarten von finnland. pekkas schoenen orten folgend, verbringen wir viel zeit mit ankern und gemuehtlichem abfahren der inneren schaerenwege. traumhaft! die sind teilweise so eng, dass man den leuten am ufer die hand geben kann…
und da kratzt es unterm kiel. daniel und ich schauen uns abwartend an. vorbei. erste grundberuehrung. stein. das muss ein auslaeufer der rundgeschliffenen schaere gewesen sein, die wir gerade passiert haben… nicht in der karte verzeichnet.
und wieder einmal freue ich mich ueber mein folkeboot; es ist einfach fuer die ostsee gemacht. die haelfte seines gewichtes (somit ca. 1t) liegen unten im gusseisernen kiel und der vertraegt ne ganze menge. durch seine form rutscht man eher ueber hindernisse hinweg. und mit seinen nur 1,2m tiefgang erreicht man orte, die nur wenigen zugaenglich sind…

byxholmen, finnland, 13.06.13

vor uns steigt eine kleine rauchsaeule senkrecht in den himmel. wir sind kurz vor byxholmen. es regnet leicht und gerade deshalb macht sich eine wohlige vorfreude breit, wissen wir doch, was die rauchsaeule bedeutet; die sauna ist angeheizt. auf den steinen davor sitzen silja und christian und winken. byxholmen ist eine unbewohnte insel, auf der eine kleine sauna steht. das daneben liegende holz muss man vorher selber in ofengerechte stuecke saegen und hacken…

hanko, finnland, 14.06.13

nach einer woche ist hanko das letzte gemeinsame ziel. hier wird daniel die bahn zurueck nach helsinki nehmen und von dort seinen flug nach hamburg. auf dem rueckweg vom bahnhof merke ich das erste mal auf dieser reise, dass ich alleine unterwegs bin. ich durchstreife die stadt, versuche mich abzulenken, gelingt nicht. zurueck am boot gehts frueh in die koje… junge, das war zu kurz.

nicht nur sonnenschein. bilder von der jule aus.

dalsskaer, finnland, 17.06.13

wir feiern siljas geburtstag auf dalskaer. ein weiterer einheimischer tipp. sowieso halten die finnen mit ihren lieblingsplaetzen nicht hinterm berg. kaum sitzt man mit einer karte im cockpit, kommt auch schon die frage vom finnischen liegeplatznachbarn:“wo wollt ihr den hin?“ antwort:“ ja, schauen wir gerade. wind, richtung,…“.“also ihr muesst unbendingt nach… und da auch… und das erst…“. so lerne ich die finnen als offene, gespraechsbereite und gerne beim an- und ablegen behilfliche menschen kennen, die sich selber auch ueber eine zusaetzliche hand beim an- und ablegen freuen. entgegen so mancher angelesenen behauptung.

dalskaer ist ein kleines paradies. eine hufeisenfoermige insel und wir mittendrin. auch hier gibt es eine feuerstelle und man muss das holz selber hacken. keine frage, wir grillen. per sms in kontakt mit der legat, schaffen es die jungs doch tatsaechlich nach einem langen toern noch vor zwoelf hier einzutreffen. der entspannung halber beschliessen wir siljas geburtstag einfach nach deutscher zeit zu feiern. dunkel wird es hier eh nicht mehr. die sonne verschwindet kurz hinter dem horizont. als sie wieder aufgeht, werden wir alle ruhig. und schauen ihr einfach nur dabei zu…