(14.05.13 danzig-kleipeda)
18 stunden liegen schon hinter mir. es ist etwa mitternacht. irgendwo dort im dunkeln steuerbord quer ab liegt die russische enklave kalliningrad. ich habe kein visum, muss mich aus deren 12 meilenzone freihalten. seit dem die dunkelheit eingebrochen ist, herrscht flaute. und was fuer eine; nicht ein hauch. ueber mir die sterne, unglaublich viele sterne und sie verdoppeln sich noch in der spiegelglatten see, eine see wie quecksilber. es ist, als wuerde man schweben. unglaublich! lange noch zoegere ich, den aussenborder zu anzuschmeissen. das ist also der toern. der toern, der mir etwas sorge bereitete: 125 seemeilen am stueck, schlafentzug, kaelte, ploetzliche wetteraenderung, koennte man im notfall nach russland?

die tage zuvor

ploetzliche wetteraenderung… (09.05.13 leba-wladyslawowo)
tage zuvor auf der ueberfahrt von leba nach wladyslawowo.
donner, zwar noch aus der ferne, aber donner. oh, man, aus richtung kueste ziehen mit unterschaetzter geschwindigkeit gewitterwolken auf mich zu. da oben passiert was, hier unten flaute. segel sind schon geborgen, der motor laeuft. es wird dunkler. die ersten blitze. donner. 21, 22, 23 zaehle ich dazwischen. ok, etwa ein kilometer. jetzt ist es dunkel. baaaam, donner und blitz gleichzeitigt. und nochmal. baaam. um mich herum gehen die blitze nieder. ich werde immer kleiner hinter der pinne. ich will hier weg, beinahe jeder andere ort waere mir jetzt lieber. schluessel umdrehen und aussteigen geht aber leider nicht. waerend ich die elektrischen verbraucher ausschalte, versuch ich mir noch einzureden, dass holzmasten eine vielleicht nicht so starke anziehungskraft ausueben. ich steuere auf die kueste zu. glaube dort besser geschuetzt zu sein. immernoch kein wind. und, anders als erwartet, keine boen. heftiger regen setzt ein. das wasser sieht aus, als wuerde es kochen. keine sicht mehr. mittlerweile prasseln bis zu daumennagel grosse hagelkoerner auf mich ein. es ist so laut unter der kaputze, ich hoere den donner nicht mehr. oder werden die abstaende zwischen blitz und donner wieder groesser?!

am darauffolgenden toern von wladyslawow nach danzig segel ich dicht unter der kueste. ich mag das, man nimmt das segeln nochmal anders war: verschiedene gerueche, verschiedene landschaften, verschiedene -donner! ich zucke zusammen, drehe mich um. bagger verlegen spuelrohre am strand. eines scheint ihnen von der gabel gerutscht und auf ein weiteres gerollt zu sein. man, denk ich, das erlebniss gewitter von vorgestern hat gesessen.

ganz hinten… (11.05.13 wladyslawowo-danzig)
in der ecke des riesigen industriehafens liegt dann noch die wunderschoene altstadt von danzig. beinahe eine stunde faehrt man von see aus ins landesinnere. spannend, als kleines segelboot so dicht an den riesigen poetten vorbeizugleiten. selbstverstaendlich wurde vorher an der westerplatte der adenauer (fahne deutschland) gedippt. schraeg gegenueber des beruemten krantores liegt die marina, direkt an der altstadt. wunderbar. als ich dort einbiege und an den touristenstroemen vorbeifahre, kann ich mir ein breites grinsen nicht mehr verkneifen; ich bin fotoobjekt und in den gesichtern kann man foermlich lesen: „so ein kleines boot und ganz aus deutschland? ist der etwa auch noch alleine unterwegs? das kann man ja nicht glauben.“ doch leute, es stimmt und es ist klasse!
nun, so ganz alleine bin ich im moment aber auch nicht: daniel und lasse, ich habe sie schon in leba und wladyslawow getroffen, sind auch schon da. sie segeln mit ihrer nordborg 26 die gleiche route. abi fertig und los. klasse, jungs! als ich neben ihnen festmache, steht den beiden das gleiche grinsen ins gesicht geschrieben: das selbe erlebnis.

in danzig mache ich den ersten schiffsausruester seit deutschland ausfindig und der ist auch noch sehr klein. komisch, wo und wie ruesten denn die polen ihre schiffe aus? benoetige noch zwei bloecke und weiteren kleinkram. das einleinenreffsystem mit den zwei reffreihen, die ich mir vor der abfahrt noch ins grosssegel hab nahen lassen, will ich vor der ueberfahrt nach kleipeda unbedingt endlich montieren.

danzig gefaellt, auch wenn sich ausserhalb der altstadt ein gegensaetzliches bild bietet.
wir haben mittlerweile den 13.05. und daniel, lasse und ich beschliessen, morgen den grossen schlag gemeinsam zu machen.
am 14.05. um 5.15 uhr laufen wir richtung kleipeda, litauen, aus…