… der geruch von schwerem torffeuer weht mir von landseite entgegen. ich versuche einer vom dwd ausgegebenen starkwindwarnung vorweg zu segeln; rausche mit sechs knoten der polnischen kueste entgegen. ich mag diesen geruch. er weckt ein gefuehl von geborgenheit und waerme. und waerme ist hier draussen absolut nicht vorhanden. trotzdem, bei blauem himmel und sonne verbrenne ich mir das gesicht auch mit sonnencreme schutzfaktor 50+. was fuer widersprueche; kalt, sonnenbrand, geruch von torffeuer, geruch von sommersonnencreme…

ich freue mich auf ein land, welches ich so gut wie gar nicht kenne. ich freue mich ein stueck familiengeschichte kennenzulernen. erster polnischer hafen: swinemuende. 29.04.13

swinemuende-geplant kolberg 01.05.13
blauer himmel, sonne und 2-3 beaufort. das sagte zumindest der seewetterbericht. halbwindkurs. gennakerkurs. schoen!
aus dem halbenwindkurs wurden spaeter gegenan 3-4 mit kurzer, steiler welle. aus blauem himmel und dem sonnenschein wurde nacht.
dunkel, nass, kalt, muede lasse ich das ziel kolberg fallen. der naechste erreichbare hafen ist ost-deep. dann wird dass also das ziel fuer heute. gut.
in der dunkelheit und in mitten der wellen ist die dimension und beschaffenheit der mole schlecht auszumachen. ich berge die segel im sicheren abstand zur kueste und motore in die vermeintliche flussmuendung. trotz langschaftaussenborder taucht auch dieser bei diesem wellengang immer wieder aus dem wasser und jauelt jedes mal mitleiderregend auf. tut mir leid, aber ich moechte hier jetzt rein. vertraue dem plotter, nehme trotzdem den handscheinwerfer zur hilfe.
drinnen! es wird schlagartig ruhig. im selben augenblick setzt entspannung ein. langsam fahre ich den fluss aufwaerts wo im inneren vor einer bruecke der yachthafen liegen soll. ich lasche die pinne fest und mache das schiff klar zum anlegen.
waerendessen bietet sich mir ein unheimliches bild: niemand ist an den befestigten ufern zu sehen, ok es ist spaet, wir haben es kurz vor zwoelf, das dorf scheint recht klein, aber wieso saeumen bauruinen in denen hinundwieder ein baustrahler gespenstische atmosphaere verbreitet, den weg? und dann gibt’s da noch das die ruinen ueberragende, alte hotel an dem eine billige leuchtreklame mir dessen namen preis gibt: medusa. uhhh.
ist mir jetzt aber auch irgendwie egal. der hafen ist ein reiner fischerreihafen. kein platz, alles voll mit fischerbooten. ins paeckchen legen moechte ich mich nicht; die jungs stehen bestimmt frueh auf…da, doch noch ein platz an der flussseite des hafens. festgemacht. die kueche bleibt kalt, das anlegebierchen ist heute abendbrot genug. zufrieden krabbel ich in den schlafsack, noch zwei decken drueber und schon daemmer ich ein… irgendwo ganz tief in der ferne nehme ich noch das warmlaufenlassen der fischerbootmotoren war…

als ich aufwache ist im hafen schon was los. die fischer sind mit ihrem fang zurueck. gastronomen und ladenbesitzer der umgebung feilschen um die preise. ein kurzer gang durch das treiben ansonsten haelt mich hier nichts. als ich ablege und richtung offene see motore, entpuppen sich die ruinen als rohbauten. eine durch die eu gefoerdete revitalisierung wird hier ein komplett neues touristenzentrum entstehen lassen…

nicht geplanter zwischenstopp kolberg 02.05.13
kurz nachdem ich die segel gesetzt habe, gibt es einen kraeftigen ruck im schiff. mist, was war das?
ich wandere mit dem auge alle sicherheitsrelevanten dinge ab. stehendes gut: ok. laufendes gut: ok. blick in die koje: ok. was war das? und dann faellt mein blick auf den reitbalken. der drahtstropp vom traveller ist gerissen. die pressung hat dem salzwasser nachgegeben. das gross haengt jetzt nur noch an der schot. erstmal kein problem. ich bin froh, das mir das jetzt am tag bei drei beaufort und halbwindurs passiert und denk mir: die gluecksbringer, talismaenner und schutzengel, die mitreisen, sind also auf zack. gut zu wissen!